Das geplante Ende des Garantiefonds Hochschule ist eine Zäsur für die akademische Integration
Erfolgreichen Integrationspolitik beruht auch auf qualifizierter Beratung und dem Zugang zu höherer Bildung. Über fünf Jahrzehnte hinweg stellte das Bundesprogramm „Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (GF-H)" sicher, dass junge zugewanderte Menschen diesen Weg erfolgreich beschreiten konnten. Vor diesem Hintergrund bedeutet die Mitteilung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) vom 29. Mai 2026 eine tiefgreifende Zäsur: Die Finanzierung des Programms soll zum Ende des Jahres 2026 vollständig eingestellt werden.
Die praktischen Konsequenzen dieser Entscheidung sind weitreichend. Junge Geflüchtete sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler werden künftig nicht mehr strukturiert beraten und auf ihrem Weg in ein Hochschulstudium begleitet. Damit droht der ersatzlose Wegfall eines europaweit einzigartigen Programms, das über Jahrzehnte hinweg Bildungszugänge ermöglicht hat und als äußerst effizient und wirtschaftlich gilt.
Der Kernauftrag des GF-H liegt in der individuellen Bildungsberatung. Der GF-H unterstützt junge Zugewanderte bei der Aufnahme oder Fortsetzung einer Hochschulausbildung. Eng damit verknüpft ist die akademische Sprachförderung. Die Daten der Jahre 2020 bis 2025 belegen den messbaren Erfolg dieser Arbeit: Von den rund 1.075 Personen, die pro Jahr an den Sprachkursen teilnahmen, erreichten 83 Prozent das C1-Niveau, die formale Voraussetzung für ein Studium. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 75.245 Beratungen durchgeführt und durchschnittlich 570 Studienanfänger*innen pro Jahr mündeten erfolgreich in ein Hochschulstudium.
Mit dem beschlossenen Abbau der Bildungsberatungsstellen wird diese Struktur unwiederbringlich aufgelöst. Dies steht im Widerspruch zu einem Beschluss des Deutschen Bundestages vom November 2023, der explizit die Erarbeitung neuer Richtlinien zur langfristigen Sicherung der Qualität und Verlässlichkeit des GF-H vorsah. Dass zeitgleich aktuell 621 Personen auf den Wartelisten der Bildungsberatungsstellen stehen, verdeutlicht die Versorgungslücke, die durch das Ende des Programms entsteht.
Die geplante Auflösung des GF-H-Programms ist bildungs- und integrationspolitisch kurzsichtig. Sie ignoriert den tatsächlichen Bedarf an qualifizierten Fachkräften und gefährdet die Zukunft junger Zugewanderter in Deutschland.
Die Entscheidung wirft auch strukturelle Fragen auf. Während in Deutschland der akute Mangel an akademischen Fachkräften parteiübergreifend thematisiert wird, wird zeitgleich ein funktionierendes Instrument zur Qualifizierung inländischen Potenzials abgewickelt. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, Integrationsaufgaben und Bildungsgerechtigkeit ist dieser Schritt fachlich wie politisch schwer nachvollziehbar. Der GF-H ist kein optionales Zusatzangebot, sondern ein zentrales Instrument für Bildungswege, Teilhabe und gesellschaftliche Integration. Sein Wegfall bedeutet einen spürbaren Rückschritt für die Betroffenen, das Bildungssystem und die Gesellschaft insgesamt.
Diese Entwicklung kann nicht ohne Widerspruch hingenommen werden. Es gilt weiterhin, sich sachlich und nachdrücklich für den Erhalt des GF-H und für verlässliche Bildungswege für junge Zugewanderte und Spätaussiedler*innen einzusetzen.
So können Sie den Erhalt des GF-H unterstützen:
• 📢 Eingabe an das BMBFSFJ: Schreiben Sie an das zuständige Ministerium und legen Sie die fachlichen Konsequenzen dieser Entscheidung dar.
• ✉️ Kontakt zu den Bundestagsabgeordneten: Kontaktieren Sie die MdBs Ihres Wahlkreises
• 🌐 Vernetzung und Information: Folgen Sie der Initiative für aktuelle Informationen zur Kampagne unter dem Hashtag #ZugewandertebrauchenBildungswege.
Kontakt für Rückfragen: Dr. Michael Herkendell (Leiter der Koordinierungsstelle GF-H) Telefon: 0211 9448528 | E-Mail: michael.herkendell@bagkjs.de
Für Ihre Unterstützung danken wir Ihnen im Voraus.
Mit besten Grüßen
Ihre GF-H-Bildungsberatung