
,,Den jungen Zuwanderinnen und Zuwanderern, die neu in Deutschland sind und sich hier ein neues Leben aufbauen möchten, würde ich raten, diszipliniert zu lernen, sich sehr gut zu informieren, damit sie ihren richtigen Weg finden – ohne Fleiß kein Preis!“.
Mein Name ist Lutef Alrahman A. und ich bin 27 Jahre alt. In meinem Heimatland Syrien habe ich sechs Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Da ich wegen des Kriegs das Land verlassen und das Studium unterbrechen musste, bin ich zunächst alleine in die Türkei geflüchtet. Vier Monate später konnte meine Familie nachkommen. Wir verbrachten ein Jahr in der Türkei, bis mein Bruder zunächst nach Holland zu einem Bekannten geflüchtet ist.
Da ich meinen Traum, Ingenieur zu werden, unbedingt erfüllen wollte, aber syrische Studieninteressierte in der Türkei keine Unterstützung bekommen, machte ich mich ebenfalls auf den Weg nach Europa. Die Fluchtreise war für mich als 24 jähriger vielleicht nicht so dramatisch im Vergleich zu kleinen Kindern oder zu kranken, alten Menschen, allerdings war es wirklich nicht einfach, allein über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland in einem kleinen Boot zu flüchten. Es war sehr schlimm und alles war sehr ungewiss.
Auf dem Weg nach Holland verbrachte ich einige Tage bei einem Bekannten in Deutschland. Er erzählte mir viel über die Möglichkeiten und über das Studieren hier, sodass ich mich entschied, zu bleiben und nicht zu meiner Familie nach Holland zu gehen. Damals (2015) konnte ich überhaupt kein Deutsch, natürlich hatte ich aber etwas Türkisch gelernt und hatte einige Grundkenntnisse in Englisch.
Mein Ziel war immer, mein Studium zu beenden und in Deutschland oder in Holland friedlich leben zu können und eine Familie zu gründen. Als mein Integrationskurs fast zuende war, machte mir mein Sachbearbeiter von dem Jobcenter sehr, sehr viel Druck, eine Ausbildung anzufangen. Er sagte mir, dass ich keinerlei Chancen hätte, hier ein Studium zu beginnen. Seiner Meinung nach war eine Ausbildung als Zerspannungsmechaniker das Richtige für mich. Ich erfuhr aber von einem möglichen Sprachkurs als Vorbereitung an der Universität Saarbrücken und ging dort zur Studienberatung. Aber auch dort sagte man mir, dass die Chancen sehr gering sind, einen Platz zu bekommen. Daraufhin gab ich auf und wollte einfach, dass es weiterging. Also begann ich die Ausbildung. Ende 2016 wollte ich mich trotzdem bei der VHS Saarlouis über weitere Deutschkurse informieren und durch die Schule habe ich in Erfahrung gebracht, dass dort Frau Ines Oliviera vom Programm Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule Beratungstermine anbietet. Über den Flyer erfuhr ich zusätzlich über die Förderung Garantiefonds Hochschule. Endlich gab es für mich eine neue Chance.
Ich stellte mich dort vor und erzählte von den Problemen, meinen Weg ins Studium zu finden. Nachdem sich die Bildungsberaterin Frau Oliveira meine Zeugnisse angeschaut hatte, sagte sie mir, dass sie mir helfen kann und erzählte mir, wie meine Zeugnisse hier anerkannt werden können. Dann erstellte sie mit mir einen Bildungsplan. Nachdem ich den Einstufungstest erfolgreich bestanden hatte, erfuhr ich, dass ich für den Sprachkurs von Saarlouis nach Trier pendeln muss, da dort der nächstmögliche Sprachkurs anfing. Ich hatte mich aber bereits entschieden: ich kündigte meine Ausbildung und war bereit, jeden Tag mit dem Zug zu fahren, um meinen Traum zu erfüllen. Da die Fahrtkosten in der Förderung enthalten sind, war das kein Problem.
Ohne die Förderung vom Garantiefonds-Hochschule hätte ich mein Ziel niemals erreicht. Ich hätte mir solch einen Kurs niemals finanziell leisten können. Von niemandem hätte ich die Unterstützung gehabt und die richtige Bewertung meiner syrischen Zeugnisse. Ich hätte keine Informationen über die Bewerbungsabläufe in Deutschland bekommen.
Nachdem ich das B2 Level in Trier erreichte, gab es leider einige Probleme in dem Sprachkurs. Ich bekam das Gefühl, dass ich es nicht weiter schaffen würde. Frau Oliveira unterstütze mich aber weiterhin und wir schafften es, dass ich einen Monat später in den C1 Kurs in Saarlouis einsteigen konnte. Ich gab mir sehr, sehr viel Mühe, auch wenn zu dieser Zeit mein deutscher Opa schwer erkrankte. Trotz allem konnte ich Ende des Jahres das C1 Level erfolgreich abschließen. Mit dem Ergebnis „befriedigend“ in der Prüfung Telc C1 Hochschule war ich sehr zufrieden und konnte so meinem Opa ein kleines Geschenk machen.
Frau Oliveira war sehr bemüht, dass ich mich richtig und fristgerecht zum 15.01. noch bei mehreren Universitäten und Fachhochschulen bewerbe und hat mir mit der komplizierten, deutschen Bürokratie geholfen. Nun warten wir (die Bildungsberaterin, mein deutscher Opa und ich) auf eine Zulassung. Nach diesem langen, schweren Weg wäre ich so glücklich darüber.
Durch die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule konnte ich sehr viele Herausforderungen überwinden und endlich richtige und nützliche Informationen bekommen. Ohne diese Unterstützung würde ich heute vielleicht als Zerspannungsmechaniker arbeiten, obwohl dies niemals mein Wunsch gewesen ist und ich immer genau wusste, was und wie viel ich kann. Den jungen Zuwanderinnen und Zuwanderern, die neu in Deutschland sind und sich hier ein neues Leben aufbauen möchten, würde ich raten, diszipliniert zu lernen, sich sehr gut zu informieren, damit sie ihren richtigen Weg finden – „ohne Fleiß kein Preis!“.
Sie sollen Geduld haben und nicht schnell aufgeben, damit man nicht das tun muss, was andere denken und was aus deren Sicht richtig ist. Es gibt immer einen Weg. Falls ihr in Deutschlandstudieren möchtet, dann sollte euer Weg über die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule gehen.
Ich wünsche allen Deutschlernenden viel Erfolg und möchte mich ganz herzlich bei Frau Oliveira für ihre Unterstützung und ihre Bemühungen, immer einen Weg für mich zu finden, bedanken. Dank ihr werde ich meinen Traum erfüllen können.