
,,Hilfe anzunehmen ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern manchmal der einzige Weg, überhaupt handlungsfähig zu bleiben.''
Ich heiße Maher Allamaa und komme aus Syrien. In Syrien habe ich eine Schule für Hochbegabte besucht und dort mein Abitur gemacht. Danach begann ich an der Universität Damaskus ein Pharmazie-Studium, das ich nach zwei Semestern im Juli 2015 abbrach. Am 09.08.2015 verließ ich Syrien und machte mich auf den Fluchtweg nach Europa.
Als der Bürgerkrieg 2011 begann, wurde das Leben Schritt für Schritt enger – nicht nur wegen der unsicheren Lage, sondern auch, weil sich die wirtschaftliche Situation immer weiter verschlechterte.
Für meine Familie und mich hatte das mehrere, sehr konkrete Seiten. Da waren zuerst die Bomben: Unsere Schule wurde 2013 sogar von drei Bomben getroffen. In Jaramana, wo wir wohnten, gab es zwischen 2012 und 2015 ständige Angriffe; einmal war mein Bruder nur ganz knapp davon entfernt, selbst getroffen zu werden. Damaskus insgesamt fühlte sich in dieser Zeit nicht mehr wie eine Stadt an, in der man einfach lebt, sondern wie ein Ort, in dem man ständig wachsam sein muss.
Dazu kam die Angst, die viele in Syrien kannten: die ständige Bedrohung durch Geheimdienste, Verhaftungen und Folter – oft schon wegen einer politischen Meinungsäußerung. Zwei Schulkameraden wurden bereits verhaftet, als wir in der 9. Klasse waren. Und dann war da für mich persönlich noch ein Punkt, der alles zuspitzte: Ich wollte nicht zum Wehrdienst. Nach einem Studium wäre das für mich verpflichtend geworden. Ich wollte und will grundsätzlich nicht kämpfen.
Parallel dazu wurde das Leben auch finanziell immer schwieriger. Meine Eltern waren beide Beamte. Vor dem Krieg verdienten sie zusammen ungefähr 600 Dollar im Monat – genug, um als Familie zurechtzukommen. Doch durch den massiven Wertverlust der syrischen Währung blieb davon 2015 praktisch nichts mehr übrig; umgerechnet waren es nur noch rund 50 Dollar.
Die Kaufkraft brach ein, und vieles, was früher selbstverständlich war, wurde plötzlich zu einer täglichen Rechnung. In Deutschland war die Sprache meine größte Hürde. Alles beginnt hier mit Sprache: Termine, Formulare, Kontakte, Lernen, Ankommen. Gleichzeitig war es auch emotional schwer – das Verlassen meiner Familie, meiner Eltern, meines Umfelds und meines Landes. In dieser Phase wurde ich auf die GF-H-Beratung aufmerksam, durch eine Beratung bei der AWO Nürnberg. Ich ging dorthin mit einer sehr klaren Erwartung: Ich wollte so schnell wie möglich Deutsch lernen, weil ich wusste, dass ohne Sprache alles andere stehen bleibt.
Rückblickend hat mir die Beratung vor allem dabei geholfen, Orientierung zu bekommen und den Weg in die nächsten Schritte zu strukturieren. Als ich 2017 meine DSH-Prüfung bestanden hatte, konnte ich endlich das tun, wofür ich gekommen war: weiterlernen und mir etwas aufbauen. Ich studierte Molekulare Medizin (B.Sc.) und schloss später Medical Process Management (M.Sc.) ab. Heute arbeite ich als Pharmaberater im Außendienst.Meine weiteren Pläne in Deutschland sind eigentlich schlicht: Ich möchte mir hier ein stabiles Leben aufbauen und eine eigene Familie gründen. Und gleichzeitig ist da ein Wunsch, der mich schon lange begleitet: Nach 11 Jahren Trennung möchte ich meine Eltern nachholen, damit wir nicht weiter nur aus der Ferne miteinander leben.
Was ich anderen Ratsuchenden oder Geflüchteten mitgeben würde: Den Weg nicht als Sprint sehen. Es fühlt sich am Anfang oft so an, als müsse alles sofort passieren – Sprache, Arbeit, Studium, Anerkennung. Aber Schritt für Schritt ist nicht langsam, sondern realistisch. Hilfe anzunehmen ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern manchmal der einzige Weg, überhaupt handlungsfähig zu bleiben.Und ja: Ich würde die GF-H-Beratung auf jeden Fall weiterempfehlen. Gerade für Menschen, die neu in Deutschland sind und Orientierung suchen, ist sie wichtig und essenziell – weil sie nicht nur Informationen gibt, sondern auch das Gefühl, dass man nicht allein durch dieses neue System gehen muss."