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Mudar A.
Mudar A.
Mudar A.

,,Wir haben vor Glück geweint''

Ich wollte schon immer Architekt werden, seit ich als kleiner Junge mit meinem Vater, der ein Architekturbüro in Aleppo hat, seine Baustellen besucht habe. Nachdem ich 2015 die Oberschule beendet hatte, begann ich also Architektur zu studieren. Doch wegen des Krieges war es gefährlich, in Aleppo zu bleiben. Darum entschied die Familie, dass mein jüngerer Bruder und ich das Land
verlassen sollten. Ich war damals 18 Jahre alt. Im November 2015 kamen wir in Rosenheim an und wurden anschließend nach Landsberg am Lech in Oberbayern gebracht.

Wir lebten zunächst in einer Turnhalle mit 150 anderen Personen. Ich bekam einen Brief von der Berufsschule, dass ich mich dort anmelden könne. Etwa vier Monate lang habe ich an dieser Berufsschule Deutsch gelernt. Eigentlich sollte der Unterricht drei Jahre dauern; anschließend hätte man dann eine Ausbildung machen können. Aber das war einfach zu langsam. Wir lernten in einem Schuljahr nur Niveau A1 und ganz einfache Mathematik. Da ich gerne studieren wollte, kam für mich keine Ausbildung in Frage.

 Anfang 2016 habe ich deshalb den Kurs abgebrochen. Ich war ziemlich frustriert. Weil ich noch keinen Aufenthaltstitel hatte, bekam ich keinen Deutschkurs vom Jobcenter. Aber ich lernte allein aus Büchern und Youtube-Videos und einmal pro Woche mit einem ehrenamtlichen Lehrer. Gleichzeitig suchte ich vergeblich einen Job als Spüler oder an einer Tankstelle. Eines Tages bot mir der Berater von der Arbeitsagentur einen berufsbezogenen Deutschkurs an! Ich konnte mit Niveau B2 beginnen, der Kurs dauerte vier Monate.

Durch eine Lehrerin bin ich auf den Jugendmigrationsdienst gestoßen und die Sozialarbeiterin dort hat mich bei der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule in München angemeldet. Das sei die richtige Anlaufstelle für Leute, die in Deutschland studieren möchten. Die Beratung in München war sehr gut. Von Frau Kayser, der Bildungsberaterin des Garantiefonds Hochschule, habe ich erfahren, was man braucht, um hier zu studieren, wo man die Sprache besser lernt, welche Prüfungen man machen muss. Plötzlich schien mein Wunsch gar nicht mehr so unrealistisch. Um in München einen studienvorbereitenden Intensiv-Deutschkurs zu machen, musste ich bei Frau Kayser einen Grammatiktest schreiben und einen freien Text zu einer Frage. 

Das war nicht leicht, denn in dem berufsbezogenen Sprachkurs hatten wir nur Briefformate gelernt, wo man eine Art Formel am Anfang und eine am Ende schreibt und da zwischen nur wenige selbst formulierte Sätze. Nach vier Monaten Wartezeit konnte ich den Kurs in München mit Niveau B2.2 starten. Nach fünf Monaten machte ich die C1-Prüfung. Die Fahrkarte für die tägliche Fahrt von Kaufering nach München wurde vom Bundesprogramm Garantiefonds Hochschule bezahlt, ebenso wie die Kursgebühr und der Lebensunterhalt. Das war natürlich eine große Hilfe. Das Wichtigste aber war die Orientierung. Frau Kayser hat mirdas Eignungsfeststellungsverfahren für das Architekturstudium an der TU München erklärt und dass man für die Bewerbung eine Mappe mit Arbeitsproben braucht. 

Das hatte ich nicht erwartet. In Syrien ist das Architekturstudium anders, dort ist es nicht so künstlerisch, sondern ein Ingenieurstudium. Ich bin sehr dankbar, dass Frau Kayser meinen studienwunsch unterstützt hat, obwohl die Berufsaussichten etwas unsicher sind. Sie hat mir Mut gegeben und gesagt, dass es bei jedem Beruf Probleme geben könne. Mit dem Zeichnen für die Mappe begann ich erst nach dem Ergebnis der TestDaF-Prüfung, weil ich vorher so aufgeregt war. Im Sprachkurs lernte ich sehr viel. Der Kurs war sehr bereichernd und richtig gut strukturiert. Vor der TestDaF-Prüfung haben wir etwa 30 Musteraufgaben geschrieben, das war wirklich Wahnsinn, ein ganzer Stapel Papier. Auf diese Weise war mir die Prüfungssituation schon vertraut und ich habe die Prüfung dann auch gut bestanden.

Nach dem Sprachkurs besuchte ich zwei Seminare des Otto Benecke Stiftung e. V.: ein Seminar „Erfolgreich Kommunizieren in Deutschland“ und einen CAD-Kurs, der in Lüneburg stattfand. Beide Seminare waren sehr hilfreich. Während des Kurses in Lüneburg erhielt ich eine E-Mail von der TU München, dass ich zum Eignungsfeststellungsgespräch eingeladen sei, und zwar gleich am Tag nach meiner Rückreise aus Lüneburg. Puuh, war ich nervös! Da waren ein Professor und eine Assistentin, beide waren ziemlich nett und eigentlich war es gar nicht so schwer. Als ich einige Zeit danach von der TU München den Brief mit
der Zusage bekam, rief ich sofort meine Eltern in Syrien an. Wir haben alle vor Glück geweint. Nun studiere ich im ersten Semester Architektur. Es ist sehr interessant, aber auch sehr stressig. Privatleben habe ich keines mehr. Manchmal arbeiten wir 24 Stunden an der Uni. Im Architekturstudium sind hauptsächlich Deutsche, höchstens zehn Prozent Ausländer, aber ich habe keinen Nachteil gegenüber den deutschen Studenten. Die Menschen an der Universität sind liberal und offen.

Ich bekomme BAföG und jobbe als Spüler, weil die Materialien für den Modellbau teuer sind. Ich glaube, dass das Studium in Deutschland besser als in Syrien ist und später kann man hier sicher mehr verdienen. Dennoch würde ich nach Syrien zurückkehren, wenn der Krieg hoffentlich irgendwann vorbei ist. Denn wenn viele nicht zurückgehen, die im Ausland studieren, hat Syrien ein Problem und ich finde, dass es eine moralische Pflicht ist, dort zu helfen.

Wenn ich anderen Flüchtlingen, die hier studieren wollen, einen Rat geben sollte, dann den, sich auf die Sprache zu konzentrieren. Im Sprachkurs richtig Gas geben und viel lesen! Ich habe vor der TestDaF-Prüfung „Der Alchimist“ von Paulo Coelho gelesen und dann „Sophia“ von Rafik Schami

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