
Der Schlüssel zu einem besseren Leben
Ich bin 22 Jahre alt, komme aus dem Irak und möchte einmal in der Stammzellenforschung arbeiten. In Mossul bin ich immer gerne zur Schule gegangen, habe fleißig gelernt und mein Abitur mit sehr guten Noten erreicht. Deshalb hätte ich im Irak mein Wunschfach Medizin studieren dürfen. Doch es kam anders. Wegen des Krieges beschloss ich mit 19 Jahren, den Irak zu verlassen. Ich wusste, dass Deutschland ein erfolgreiches Land ist und glaubte daran, auch dort meine Träume und Ziele erreichen zu können.
2015 kam ich in eine kleine Stadt im Sauerland und stellte einen Antrag auf Asyl. Meine Familie war nicht in der Lage, mit mir nach Deutschland zu reisen. Nach meiner Ankunft wollte ich so schnell wie möglich Deutsch lernen. Neben Arabisch konnte ich bereits Englisch, Französisch und Kurdisch sprechen, das hat mir dabei geholfen, eine weitere Sprache zu lernen. Bereits einen Tag nach meiner Ankunft kaufte ich mir Bücher und lernte eigenständig bis zum Niveau B1. Ich versuchte, mich so oft wie möglich mit Anderen auf Deutsch zu unterhalten. Die Einheimischen und die Behörden vor Ort merkten, dass ich die Sprache schnell beherrschte und fragten mich immer öfter für Übersetzungsarbeiten an. Dadurch habe ich viele Leute kennengelernt und habe mich bereits früh ehrenamtlich in Deutschland engagiert.
Ich habe viel darüber nachgedacht, was der Krieg mit den Menschen macht und wie wichtig es ist, kranken und verletzten Menschen zu helfen, deshalb wollte ich in Zukunft den Menschen entweder als Wissenschaftler oder als Arzt helfen und Hoffnung geben.
Mein irakisches Abitur war für das Studium in Deutschland nicht ausreichend, deshalb musste ich noch das Studienkolleg besuchen und die Feststellungsprüfung bestehen. Ich zog nach Hannover, besuchte den Vorbereitungskurs am niedersächsischen Studienkolleg und bestand den Aufnahmetest für den M-Kurs.
Erst durch Freunde am Studienkolleg bin ich auf die Bildungsberatung Garantiefonds-Hochschule (GF-H) aufmerksam geworden. Zusammen mit der Bildungsberaterin plante ich meinen weiteren Weg ins Studium und stellte einen Antrag auf Förderung nach dem GF-H. Während des M-Kurses erhielt ich zusätzlich zum BAföG finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt und die Semestergebühren wurden übernommen. Zum Glück, denn allein mit dem BAföG hätte ich arbeiten müssen und weniger Zeit zum Lernen gehabt. Neben der finanziellen Förderung, wurde ich auch bei Schwierigkeiten mit der Krankenkasse und dem Jobcenter unterstützt.
Durch die Förderung des GF-H konnte ich mich voll und ganz auf das Studienkolleg konzentrieren. Dadurch hatte ich eigentlich immer gute Noten. Nur im Fach Deutsch war ich unzufrieden mit meiner Leistung und wollte schon aufgeben. Die Fachsprache im Unterricht war schwieriger als die Alltagssprache. Ich erzählte der Bildungsberaterin von meinen Zweifeln, und dass ich das Semester wiederholen wollte. Sie erklärte mir, dass man nur wiederholen könne, wenn man die Prüfungen nicht bestanden hat. Sie machte mich darauf aufmerksam, dass meine Leistungen in allen anderen Fächern sehr gut waren und motivierte mich, nicht aufzugeben. Stattdessen empfahl sie mir, abends einen Grammatikkurs zu besuchen. Durch das aufbauende Gespräch motiviert, meldete ich mich für den Abendkurs an und kam von da an viel besser im Unterricht mit.
Bei Exkursionen und Veranstaltungen des Studienkollegs habe ich die Universität Göttingen und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) näher kennengelernt. Ich nahm an einem Neurophysiologie-Camp teil und erhielt spannende Einblicke in die Stammzellenforschung. Mich faszinierte die Idee, dass man Organe künstlich herstellen und so tausende Menschenleben retten kann. Dabei ist mir mein Ziel klar geworden: in Zukunft möchte ich in die Stammzellenforschung.
Nachdem ich die Feststellungsprüfung erfolgreich mit 1,7 bestanden und damit eine 1,4 als Endnote für die Studienzugangsberechtigung hatte, unterstützten mich die Bildungsberaterinnen bei den komplizierten Bewerbungsverfahren und Motivationsschreiben für die Universitäten. Da ich ehrenamtlich aktiv war, empfahlen sie mir, mich auf ein Stipendium zu bewerben. Sie informierten mich nicht nur über die Bewerbungsformalitäten, sondern gaben mir auch hilfreiche Unterstützung bei meinen Bewerbungsschreiben.
Eigentlich wollte ich molekulare Medizin an der Uni Göttingen studieren. Ich habe den Studienplatz nicht bekommen, hatte aber schon einen Plan B, da mir die Bildungsberaterinnen immer geraten haben, auch über Alternativen nachzudenken: wenn ich meinen Bachelor in Molekulare und angewandte Pflanzenwissenschaft mache, kann ich danach den Master in Biomedizin an der MHH absolvieren und in der Stammzellenforschung arbeiten.
Im Wintersemester 2018/19 habe ich mein Studium in Hannover begonnen und bin mittlerweile gut angekommen. In einem fremden Land zu studieren, ist aber eine große Herausforderung. Was mir dabei hilft, ist, genug zu schlafen, früh aufzustehen, regelmäßig Sport zu treiben und mich möglichst gesund zu ernähren. Meine erste Prüfung in Genetik habe ich erfolgreich mit 1,0 bestanden.
Wenn ich das erste Studienjahr erfolgreich abgeschlossen habe, versuche ich noch einmal zur Molekularmedizin zu wechseln. Hier könnten mir nach Meinung der Bildungsberaterinnen vielleicht sogar einige Studienleistungen angerechnet werden. Ansonsten mache ich weiter und bewerbe mich nach dem Bachelor auf den Master Biomedizin.
Ich rate allen, die neu in Deutschland sind, die Sprache gut zu beherrschen, offen für neue Kontakte zu sein und sich in der Gesellschaft zu engagieren. In einem fremden Land ist das Wichtigste, die Sprache zu lernen, da sie der Schlüssel zu einem besseren Leben dort ist.
Allen, die studieren möchten, empfehle ich, sich früh an die Bildungsberatung GF-H zu wenden. Auch wenn man viele Informationen im Internet findet, können die Bildungsberaterinnen weitaus mehr Fragen beantworten und wertvolle Tipps geben! Die Bildungsberatung GF-H ist bundesweit vernetzt und berät nicht nur zu einer Hochschule in einer Stadt, sondern zu Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland. Ich bedanke mich bei den Bildungsberaterinnen für ihre Unterstützung, ohne sie wäre ich nicht so weit gekommen – oder es hätte zumindest über einige Umwege länger gedauert.