
Ich wollte schon aufgeben
Geboren wurde ich im März 1987 in Leningrad, jetzt St. Petersburg, in Russland. Nach der Mittelschule, wo ich als Schwerpunktfach Englisch belegt hatte, besuchte ich von 2004 bis 2007 die höhere pädagogische Fachschule (College). Mit dem Abschluss als Lehrerin für russische Sprache und Literatur hatte ich 2008 die Gelegenheit, an die Herzen-Universität in St. Petersburg überzuwechseln - in ein so genanntes Fernstudium. Die Herzen-Universität rechnete meine Collegejahre komplett an, wie das in unserem System üblich war. Ich wurde gleich in das 5. Semester eingestuft, musste also nur noch 3,5 Jahre studieren und schloss mit dem 9. Semester im Jahr 2010 ab.
Mein Interesse für Slawistik, bzw. Sprachwissenschaft, entwickelte sich bereits in der siebten Klasse und hat mich all die folgenden Jahre begleitet. Neben der Sprachwissenschaft erwachte mein Interesse, gerade auch im Hinblick auf die stetigen Veränderungen in meinem Heimatland, auch für ökonomische Zusammenhänge und deren Auswirkungen auf die Politik und Weltwirtschaft.
In Russland gibt es, leider, fast keine Möglichkeit, Slawistik und Wirtschaft zusammen zu studieren.
Da ich in Russland ein Fernstudium absolviert und bereits in St. Petersburg beim Goethe-Institut Deutsch belegt hatte, bewarb ich mich schon während der Studienzeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland. 2008 kam ich nach Baden-Württemberg, nach Stetten zur Diakonie. Damals habe ich mir das Ziel gesetzt, schon in zwei Jahren mit dem Studium anzufangen. Es hat mich sehr viel Energie gekostet - in so einer ambitionierten Zeit musste ich nicht nur die neue Sprache in Deutschland perfekt lernen, sondern auch mit dem Studium in Russland weiter machen. Ich habe nachweislich beides geschafft. Erst im Frühling 2010 nahm ich Urlaub an der Universität in Russland, kurz vor dem Diplom. Ich plane aber, auch das Studium in Russland zu Ende zu bringen.
Nach dem Jahr in Stetten in 2009 hatte ich das Glück gleich im Anschluss eine Au-Pair-Stelle bei einer Familie in Vaihingen an der Enz zu finden, ebenfalls in Baden-Württemberg. Die Familie zahlte mir während des Au-Pair-Jahres weitere Deutschsprachkurse, so konnte ich im April auch den Test DaF bestehen und wollte mich hier in Deutschland an verschiedenen Universitäten bewerben.
Nun begann eine lange Odyssee, denn ich hatte ja durch Anrechnung des College Studiennachweise über 9 Semester in nur 3,5 Studienjahren, was bei uns wie gesagt sehr gängig ist, aber hier wollte mir niemand glauben, dass ich mein Fernstudium korrekt und tatsächlich mit 9 Semestern abgeschlossen hatte. Die Auslandsämter akzeptierten das nicht und sagten mir, ich müsse nochmals mein Abitur nachholen! Auch sonst konnte mir niemand einen Rat geben, was zu tun war.
Ich wollte schon aufgeben, da es mir unmöglich schien, hier nochmals für 2 bis 3 Jahre mein Abitur nachzuholen. Erst durch den Tipp einer Freundin bekam ich die Telefonnummer der Bildungsberatung Garantiefonds-Hochschule in Stuttgart. Die Beraterin verstand das Problem sofort und unterstützte mich sehr mit einer ausführlichen Beratung und stellte mir meine verschiedenen Möglichkeiten vor. Zusammen mit ihrer Hilfe setzte ich ein Schreiben an meine ehemalige Universität auf und konnte so einen Nachweis bekommen, der den Sachverhalt genau schilderte. Ich ließ diesen Nachweis ins Deutsche übersetzen und bewarb mich auf das Neue bei den Universitäten, endlich hatte ich Erfolg und bekam den Studienplatz in Jena.
Ich bin sehr glücklich, dass ich es nun geschafft habe. Ich kann mein Studium hier über eine Nebentätigkeit finanzieren und ich kann auch weiterhin als Babysitter arbeiten. Ich danke der Bildungsberatung sehr für die qualifizierte Beratung und Unterstützung. Ich hatte wirklich viel versucht, und überall nur negative Antworten erhalten. Nirgendwo vorher konnte ich so klar und kompetent beraten werden und dadurch hier den Zugang zum Studium finden.
Ich möchte sehr gerne weiter in Deutschland studieren. Trotz meines vollen Tagespensums erscheint mir das alles nicht schwer. Des Weiteren gefällt es mir in Deutschland und Jena sehr gut und ich konnte auch schon mit vielen netten Kommilitonen Freundschaften schließen.
Alexandra Dernova studiert Slawistik und Wirtschaftswissenschaften.