
Durch den Bildungsberater, der uns immer wieder „aufforderte“ und dabei unterstützte, konkrete Ziele zu entwickeln, wurde vieles deutlicher für uns
Wir sind die Brüder Popelyaev, Oleg und Egor. Es liegen nur einige Minute zwischen unseren Geburten, aber einer musste der Erste sein. Unsere Mutter sagte uns später, dass es Egor war. Wir wurden 1985 in Nowosibirsk geboren und sind auch in Nowosibirsk aufgewachsen. Alles haben wir bisher gemeinsam gemacht. Wir besuchten bis 2002 die Mittelschule und haben diese auch mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen. Früh träumten wir von dem Beruf eines Informatikers, sodass wir uns gleich nach der Schule um einen Studienplatz an der Nowosibirsker Staatlichen Technischen Universität in der Fachrichtung Informatik bewarben und einen Studienplatz erhielten. 2007 absolvierten wir die Universität und waren dann Informatiker mit einem Hochschuldiplom.
Dass wir unsere persönliche und berufliche Perspektive in Deutschland sehen, wussten wir schon lange. Uns war klar, der Schlüssel zum Erfolg liegt in den deutschen Sprachkenntnissen. Russisch konnten wir ja und Englisch hatten wir an der Universität. Deshalb haben wir uns schon in Russland sehr bemüht Deutsch zu lernen und besuchten Kurse. Den Antrag auf Aussiedelung hatten wir bereits 2003 gestellt. Wir arbeiteten dann bis 2009 als Ingenieure und sind dann am 31.10.2009 als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen.
Unsere erste Station war das Aufnahmelager in Friedland. Obwohl wir uns bereits in Russland Informationen zu den Arbeitsmöglichkeiten als Informatiker und zur Anerkennung unserer Diplome verschafften und wir zum Glück schon etwas Deutsch konnten, jedenfalls bereits so viel, dass wir den Integrationssprachkurs nicht mehr besuchen mussten, war doch alles nicht so einfach. Wir wussten, in unserer Branche muss man schnell sein, denn schnell gehört man zum „alten Eisen“, wenn man in Fachwissenschaft und Praxis stehen bleibt.
Was brauchten wir? Wir benötigten noch einen guten Sprachkurs, der uns in die Lage versetzt, in Wort und Schrift den beruflichen Anforderungen in Deutschland gerecht zu werden. Wir suchten Rat und Unterstützung zu Fragen der Anerkennung und Verwertbarkeit unserer Diplome. Wir wollten mit erfahrenen Beratern darüber sprechen, wie man sich am besten um eine Stelle bewirbt, bis dahin, wie wir das alles in der ersten Zeit auch finanziell bewältigen können. Da war der Weg nicht weit zur Bildungsberatung Garantiefonds-Hochschule bei der inneren Mission, die wir gleich nach unserer Einreise im Aufnahmelager in Friedland aufsuchten. Wir meinen heute, dass wir dort eine erste verlässliche Beratung erhielten, die fachlich fundiert war. Mit Blick auf unsere individuellen Voraussetzungen und unsere Interessen wurde dort mit uns gemeinsam unser weiterer Weg in den akademischen Beruf besprochen.
Uns war dann schnell klar, welche Anträge wir wo, z. B. zur Anerkennung unserer Diplome, stellen mussten. Wichtig war für uns auch, dass wir bereits in Friedland Informationen über die Fördermaßnahmen nach dem Garantiefonds Hochschule erhielten und wir in das Förderprogramm aufgenommen wurden. Heute sind wir dankbar, dass eine schnelle Förderentscheidung dafür sorgte, dass wir einen 6-monatigen Intensivsprachkurs bei der GFBM e.V. in Berlin bereits ab Februar 2010 besuchen konnten. Wir wurden damit so zu sagen von der Garantiefondsberatungsstelle in Friedland an den Bildungsberater in Berlin weitergereicht. Während der Teilnahme am Sprachkurs erhielten wir weitere Beratung und Unterstützung bei der Erstellung unserer Bewerbungsunterlagen, Herr Gröger gab uns wichtige Hinweise zur Stellensuche und zu weiteren Förderungsmöglichkeiten nach dem Garantiefonds Hochschule. Er erklärte uns, wie man das Antwortschreiben des Ministeriums für den Berufseinstieg nutzen konnte, denn den wollten wir ja erreichen. Durch den Bildungsberater, der uns immer wieder „aufforderte“ und dabei unterstützte, konkrete Ziele zu entwickeln, wurde vieles deutlicher für uns. Der Sprachkurs war sehr gut für uns, denn wir konnten unsere Sprachkenntnisse deutlich verbessern und fühlten uns nun auch sicherer, wie man so sagt, in Wort und Schrift aber auch in der Gesprächsführung, was uns sicherer machte für Bewerbungsgespräche. An dieser Stelle möchten wir uns für die finanzielle Förderung im Sprachkurs über die Otto Benecke Stiftung e.V. bedanken aber eben auch für die kompetente Bildungsberatung, ohne die es für uns viel schwieriger gewesen wäre.
Es sind diese tausend kleinen aber wichtigen Hinweise zum Auftreten bei einer Bewerbung, zum Aufbau eines Unternehmens, zu arbeitsrechtlichen Fragen aber auch zu unseren Pflichten und Erwartungen an uns, die uns sonst niemand geben würde.
Wir bewarben uns bei mehreren Firmen. Oleg ist es gelungen bereits ab September 2010 in eine Festanstellung als Datenbankadministrator einzutreten. Egor hat ab September 2010 bis März 2011 ein akademisches Praktikum absolviert, das aus dem Garantiefonds Hochschule gefördert wurde. Herr Gröger bereitete diese aus unserer Sicht sinnvolle Fördermaßnahme mit Egor vor. Schließlich konnte sich Egor beim Praktikumsgeber als IT-Fachmann gut einbringen und beweisen. Das führte zu einem Arbeitsvertrag. Egor arbeitet jetzt als Test Engineer und entwickelt Softwaretests. Unsere berufliche Integration in Deutschland hat nicht zuletzt dank Förderung und Beratung gut funktioniert.
Was wollen wir Zuwanderern abschließend noch mitteilen?
Erstens, man muss sich klare und realistische Ziele setzen und zielstrebig an deren Umsetzung arbeiten. Wir haben gemeinsam mit Herrn Gröger für uns beide ein klares Ziel gesetzt und den Weg dorthin erarbeitet. Wir wollten möglichst bald eine Erwerbstätigkeit in unserem studierten Beruf aufnehmen. Zweitens man benötigt gerade in der ersten Zeit gute, kompetente Beratung. Wir empfanden die begleitende Beratung durch die Bildungsberater/innen in Friedland und während der Teilnahme am Sprachkurs in Berlin sehr hilfreich.
Egor Popelyaev ist heute Test Engineer. Oleg Popelyaev ist Datenbankadministrator.