
,,Nur ausreichende Informationen helfen uns, unsere Möglichkeiten zu sehen, Entscheidungen zu treffen und gute Chancen zu haben''
Ich komme aus der Stadt Tomsk in Russland. Dort habe ich die Fakultät für Fremdsprachen an der Staatsuniversität absolviert. Deshalb war das Niveau meiner Deutschkenntnisse nicht schlecht. Mit meiner Tochter, meinem Mann und seinen Verwandten sind wir nach Hannover als Spätaussiedler gekommen, ich bin ausländische Ehefrau eines Spätaussiedlers.
In Russland arbeitete ich im Universitätszentrum für Austauschprogramme und hoffte, hier eine ähnliche Arbeit zu finden. Gedanken über ein Studium in Deutschland machte ich mir nicht. Erstens, dachte ich, mit meinen 29 Jahren bin ich zu alt dafür, zweitens kann ich mir das aus finanziellen Gründen nicht leisten (es wird noch Zeit vorbeigehen bis mein Mann Deutsch genug lernt und zu arbeiten beginnt) und drittens, habe ich schon eine Hochschulausbildung! Ich plante also, hier sofort eine Arbeit zu finden. Zuerst musste ich aber mein Diplom anerkennen lassen. Und hier begannen für mich gewisse Schwierigkeiten.
Die einzige Hilfe, die ich vom Jobcenter in Hannover zum Thema der Anerkennung meiner Hochschulbildung erhielt, war die Benennung einer Internetseite, die ich nicht verstehen konnte. Wohin sollte ich mich wenden mit meiner Fachqualifikation und dem Hochschuldiplom als „Linguistin, Lehrerin“? Mein Surfen im Internet half mir überhaupt nicht, meine Zweifel verwandelten sich schon in Verzweiflung. In dieser Zeit erfuhr ich von meinen Verwandten, dass es bei der CARITAS eine spezielle Beratung gibt, wo man bei der Anerkennung der ausländischen Hochschulbildung hilft.
So fand ich die Telefonnummer der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule und in zwei Tagen (unglaubliche Geschwindigkeit für Deutschland meiner Erfahrung nach) bekam ich schon den Fragebogen und einige Tage später die Einladung zum Termin.
In der Bildungsberatung bekam ich ausführliche Informationen über die Möglichkeiten der Anerkennung meines Hochschulabschlusses und wohin und auf welche Weise ich meine Unterlagen zu den beiden Ministerien – zum Niedersächsischen Kultusministerium (zuständig für Lehrerausbildungen) und zum Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (zuständig unter anderem für Linguisten) - schicken muss. Ich habe erfahren, inwieweit mein Hochschulabschluss anerkannt werden kann, und dass leider eine solche Bewertung meine Chancen nicht erhöht, eine gute Stelle zu finden.
Dafür aber wurde mir ein anderer Weg gezeigt: Der Bildungsberater informierte mich über die Möglichkeit zu studieren und eventuell ein Stipendium dafür erhalten zu können. Es war für mich sehr wichtig, dass jemand, der sich ganz gut in diesen Fragen auskennt, auch meine Interessen berücksichtigt. Ich bekam Adressen von Studenten aus verschiedenen Fachrichtungen, die auch aus Russland gekommen sind und jetzt schon studieren. So konnte ich mit diesen Studenten aus dem Hochschulprogramm telefonieren und ihnen viele Fragen stellen. Mit Hilfe von diesen Informationen und Kontakten, die ich bei der Bildungsberatung bekommen habe, habe ich einen Platz gefunden, wo ich studieren möchte und habe mich für das Studium und für das Stipendium beworben.
Der Bildungsberater half mir bei der Erklärung für das BAföG-Amt, warum ich jetzt noch einmal studieren wollte. So schickte er mich in die Universität und ich musste in den Fachbereichen Englisch und Deutsch von den Professoren sogenannte Bescheinigungen über anrechenbare Semester- und Prüfungsleistungen holen, die für die Entscheidung beim BAföG-Amt sehr wichtig sind. Obwohl ich bei Studienbeginn schon 30 Jahre alt sein werde und einen Hochschulabschluss besitze, werde ich dank der Hilfe der Bildungsberatung nun im kommenden Wintersemester ein BAföG-Stipendium erhalten. Mit meiner Durchschnittszensur von 1,0 habe ich gute Chancen, einen Studienplatz zu erhalten, sagte mir der Berater. Mittlerweile war ich bestimmt schon fünfmal bei ihm, denn es mussten viele Wege vorbereitet werden.
Das einzige was ich bedauere ist, dass ich über die Bildungsberatung nicht sofort erfahren habe und Zeit verloren habe. Für Zuwanderer ist es schwierig selbstständig alle Besonderheiten des deutschen Bildungssystems sofort zu verstehen. Neue Bedingungen bedeuten immer Stress und Bestürzung.
Für alle, die neu nach Deutschland kommen wie ich, gilt: Die Bildungsberatung kann für Sie nicht entscheiden, sie kann Ihnen aber helfen, Ihre Möglichkeiten zu begreifen und Ihre Wahl zu treffen. Und das wird Ihre richtige Entscheidung sein.
Elena Liventsova studiert jetzt Informationsmanagement.