
,,Heute bin ich stolz auf mich, auf meine Zielstrebigkeit und mein Durchsetzungsvermögen.''
Mit einem in der Ukraine erworbenen Mittelschulabschluss, voller Zuversicht und Motivation, begann im Jahr 2002 mein neues Leben in Deutschland. Von nun an war ich endlich mit meiner Familie wieder vereint, die bereits ein Jahr zuvor als Spätaussiedler nach Deutschland eingereist war.
Mein Berufsziel war immer, Rechtsanwältin zu werden. Doch wie verwirkliche ich dieses Berufsziel in einem (noch) fremden Land ohne ausreichende Deutschkenntnisse? Wie kann ich mein Vorhaben überhaupt finanzieren? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um ein Jurastudium in Deutschland aufnehmen zu können? Wer kann mir beratend zur Seite stehen?
All diese Fragen konnte mir nur die Bildungsberatungsstelle Garantiefonds Hochschule (früher Otto Benecke Stiftung e.V.) beantworten, deren Mitarbeiter/-innen sehr kompetent waren und mir den Weg zur Verwirklichung meines Studiums und Berufsziels aufzeigten. Für die mir entgegengebrachte Unterstützung bin ich der GF-H-Bildungsberatungsstelle sehr dankbar!
Das Gespräch mit der Bildungsberaterin in Göttingen motivierte mich noch mehr, das Jurastudium aufzunehmen, um mein Ziel zu erreichen. Zugleich war mir aber klar, dass der Weg zum gesetzten Ziel nicht einfach sein wird. Nichtsdestotrotz hatte ich nicht vor, davon abzuweichen. Ich habe immer an mich geglaubt.
Es folgten vier Monate des Sprachkurses bei dem Gemeinnützigen Bildungswerk Niedersachsen des Deutschen Gewerkschaftsbundes e.V. in Hannover mit anschließender zentraler Deutscher Sprachprüfung.
In Anbetracht der Tatsache, dass der in der Ukraine erworbene Mittelschulabschluss als Realschulabschluss anerkannt wurde, musste ich für die Aufnahme eines Studiums die allgemeine Hochschulreife erwerben. Dies war an dem Göttinger Institut – Sonderlehrgänge für Spätaussiedler – e.V. in Göttingen möglich. Während des Sonderlehrgangs wurde ich finanziell durch den Garantiefonds Hochschule und mit Schüler-BAföG gefördert.
Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur im Jahr 2006 und einer Abschlussnote von 1,7 im Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife bewarb ich mich aufgrund der bestehenden Zulassungsbeschränkung (sog. Numerus clausus) für das Studium der Rechtswissenschaften zugleich an neun Universitäten. Zu meiner großen Freude bekam ich auch neun Zusagen für einen Studienplatz, so dass ich zum Wintersemester 2006/2007 das Jurastudium an der Georg-August-Universität in Göttingen aufnahm.
Das Jurastudium war nicht einfach und verlangte mir viel ab. Die gesamte Studienzeit (beinahe alle 365 Tage im Jahr) verbrachte ich mit Lernen. In dieser Zeit ist die juristische Bibliothek - wie bei vielen Jurastudenten/-innen - mein zweites Zuhause geworden.
Die erste Hürde des rechtswissenschaftlichen Studiums ist das Bestehen der Zwischenprüfung, die spätestens bis zum vierten Semester abgelegt wird. Angst machte mir in den ersten Semestern die Tatsache, dass fast die Hälfte aller Kommilitonen/-innen das Jurastudium abbrach. Da ich aber keinen „Plan B“ hatte, blieb ich hartnäckig und schaffte die Zwischenprüfung sogar in drei Semestern. Von nun an wusste ich, dass ich mit meiner Zielstrebigkeit auch das Jurastudium erfolgreich beenden werde.
Die nächste Herausforderung war das Bestehen der ersten Staatsprüfung. Denn von den wenigen Klausuren, einer Hausarbeit und der mündlichen Prüfung, die thematisch das gesamte Studium abdecken, hängt das Bestehen der ersten Staatsprüfung und damit der erfolgreiche Abschluss des rechtswissenschaftlichen Studiums ab.
Nach der intensiven einjährigen Examensvorbereitungszeit bestand ich die erste juristische Prüfung und mir wurde der akademische Grad der Diplom-Juristin verliehen.
Um jedoch den Beruf einer Rechtsanwältin, Staatsanwältin oder einer Richterin ausüben zu können, benötigte ich das zweijährige juristische Referendariat, das mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen wird. Nach dem erfolgreichen Bestehen des zweiten Staatsexamens im Jahr 2014 führe ich zudem die Bezeichnung Assessorin Juris.
Heute bin ich stolz auf mich, auf meine Zielstrebigkeit und mein Durchsetzungsvermögen. Der Beruf einer Rechtsanwältin, den ich seit einigen Jahren ausübe, macht mich glücklich. Dazu trug seinerzeit die Bildungsberatungsstelle Garantiefonds Hochschule in Göttingen bei.
Abschließend kann ich jedem und jeder raten, immer an sich selbst zu glauben sowie sich ein klares Ziel zu setzen und dieses in kleinen Schritten zu verfolgen!