
,,Der Weg war lang aber wir haben es geschafft.''
Wir sind die Brüder Majd und Hanna Behnana, wir kommen aus Syrien und sind 21 und 22 Jahre alt. Wir sind in Deutschland seit April 2015.
In Syrien studierten wir Materialwissenschaft bzw. Zahnmedizin. Wegen des Krieges mussten wir jedoch unsere Studien abbrechen und sind mit unseren Eltern und Geschwistern nach Deutschland gekommen. Damals gab es ein Programm der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Menschen aus Syrien ein Visum für Deutschland beantragen und einen Flüchtlingsstatus bekommen konnten, was eine große Chance für uns als Familie war.
Als wir neu nach Deutschland kamen, waren unsere Deutschkenntnisse gering. Hilfe beim Ausfüllen verschiedener Unterlagen haben wir von unseren Verwandten bekommen, aber sie waren auch ziemlich neu in Deutschland und konnten Fragen in Bezug auf das Studium nicht beantworten. Natürlich fiel uns das schwer, weil wir einfach nicht wussten, wie es mit unseren Studien weitergehen wird und an wen wir uns überhaupt wenden sollen.
Da wir in Syrien schon einen A1 Deutschkurs gemacht hatten, sind wir gleich mit dem Niveau A2 in dem vom BAMF geförderten Integrationskurs im Juli angefangen. Wir haben neue Kontakte geknüpft und unser Deutsch und damit die ganze Situation unseres Lebens verbessert.
Im Laufe der Zeit haben wir auch bei einem Nachbarschaftstreff ein paar nette Deutsche kennengelernt. Und seitdem schreiben wir uns regelmäßig und unternehmen viel zusammen. Das hat uns sehr geholfen, unsere Deutschkenntnisse anzuwenden.
Unser Ziel war, im Wintersemester 2016 mit dem Studium an der Uni anzufangen. Dafür werden aber gute Deutschkenntnisse auf dem C1 Niveau verlangt. In unserer kleinen Stadt (Bad Wildungen) gab es jedoch keine Sprachschulen, die B2 bzw. C1 Kurse anboten, was uns Sorgen gemacht hat. Die einzige Möglichkeit, die uns einfiel, war einen weiteren Deutschkurs in Kassel zu besuchen. Da Kassel ca. 50 km von unserer Stadt entfernt ist, hätten wir unsere täglichen Fahrtkosten zum Sprachkurs nur sehr schwer finanzieren können.
Eines Tages erzählte uns eine Kursteilnehmerin über die Bildungsberatung GF-H in Kassel. Wir haben dann gleich einen Termin bei Frau Ramm vereinbart, wo wir unsere Unterlagen u.a. das Abitur und Notenübersichten abgaben und einen Antrag für die Förderung nach den Richtlinien Garantiefonds Hochschule gestellt haben.
Danach hatten wir einen Termin für einen Einstufungstest. Alles lief super und wir wurden schließlich in das Förderprogramm Garantiefonds Hochschule aufgenommen.
Wir wurden dann zu einem vier monatigen intensiven Deutschkurs in der Speak & Write Schule in Marburg eingeladen, wobei wir in einer Mietwohnung in der Nähe von der Unterrichtstätte gewohnt haben. Der Garantiefonds übernahm die Kosten des Kurses, des Lebensunterhalts, der Fahrkosten und der Mietwohnung.
Der Unterricht in der Sprachschule in Marburg gefiel uns sehr. Die Lehrer und Lehrerinnen waren sehr kompetent.
Außerdem war Marburg einfach eine total faszinierende Stadt. Besonders die Altstadt mit den vielen Fachwerken und dem wunderschönen auf einem Berg liegenden Schloss. Die Stadt hat außerdem eine wunderbare Studentenatmosphäre mit einer kulturellen Vielfalt. Darüber hinaus konnte man von den vielen Angeboten der Uni Marburg und der Stadtbücherei profitieren.
Wir haben während des Kurses unser Bestes gegeben. Wir haben jeden Tag viel Neues gelernt, so dass wir innerhalb kurzer Zeit das gewünschte Sprachniveau für das Studium in Deutschland erreicht haben. Abschließend haben wir den TestDaF am 20. April abgelegt. Das Ergebnis bekamen wir am 02. Juni, und glücklicherweise haben wir beide bestanden. Jetzt haben wir uns schon an mehreren Unis für das Wintersemester 2016 beworben.
Unsere Beraterin, Frau Ramm, war sehr nett. Sie hat uns vor-, während- und nach unserem Kurs durch zahlreiche Tipps und Ratschläge unterstützt, und hat immer sehr gerne auf unsere vielen Fragen geantwortet. Sie hat uns sogar bei unseren Bewerbungsschreiben, Motivationsschreiben und bei der Ausstellung unterschiedlicher Anträge (Finanzierung, Anerkennung, …) geholfen.
Wir würden allen den Rat geben, dass die Sprache der wichtigste Schlüssel für ein erfolgreiches Leben in einem anderen Land ist, egal für wen. Man sollte geduldig sein und das Lernen der Sprache ernst nehmen und dabei am besten Kontakte mit Muttersprachlern haben, sei es durch Sportvereine, Kurse, interkulturelle Veranstaltungen, oder einfach auf Partys. Und wenn keine der o.g. Methoden funktioniert, dann kann man sich einen Tandempartner online suchen. Es gibt viele Gelegenheiten, wenn man sich umschaut.
Der Weg war lang, aber endlich haben wir es geschafft. Obwohl wir vielleicht nochmal ganz von vorne mit unseren Studien anfangen werden, sind wir uns sicher, dass es sich lohnen wird. Wichtig ist nur, dass man weiterkämpft und nie aufgibt.
Wir möchten uns bei Frau Ramm und dem Garantiefonds Hochschule bedanken! Ohne deren Hilfe hätten wir es nicht schaffen können!