
,,Es war nicht einfach, drei Jahre um mein Leben und mein Studium zu kämpfen.''
Mein Name ist Merzan Khalil und ich komme aus Syrien. Ich bin seit Dezember 2012 hier in Deutschland. Ich hatte in Syrien bereits sechs Semester Medizin studiert. Für mich war schon immer klar, dass ich Medizin studieren und später einmal Arzt sein möchte. Als ich aus meinem Heimatland wegen der schlimmen politischen Umstände fliehen und mein Studium abbrechen musste, wusste ich, dass ich trotz allem mein Studium in Deutschland unbedingt fortsetzen wollte.
Der Anfang hier in Deutschland war für mich sehr schwer. Ich musste in Deutschland zunächst 14 Monate auf meine Anerkennung als politischer Flüchtling warten und durfte den Integrationskurs erst am 09.10.2013 beginnen.
Als ich mein erstes deutsches Zertifikat nach dem Abschluss des B1 Sprachkurses in meinen Händen hielt, wusste ich, dass ich noch viel mehr kann und will. Mir war auch klar, dass ich zum Studium an einer deutschen Universität als Ausländer ein bestimmtes sprachliches Niveau erreichen und den Sprachtest TestDaF schaffen muss. Ich bewarb mich daher bei der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule und erhielt im Oktober 2014 meinen ersten Beratungstermin. In dieser Beratung erhielt ich von der Studienberaterin in Stuttgart, Frau Schaefer-Vischer, sehr viele wertvolle Informationen. Ich musste zunächst einen Sprachtest erfolgreich ablegen und wurde von meiner Beraterin in die Förderung als Stipendiat bei der Otto-Benecke Stiftung e.V aufgenommen. Durch diese Finanzierung und das Stipendium nahm ich dann schon ab Januar 2015 bis zum Mai 2015 bei der ifa – Akademie, einem Stuttgarter Sprachkurs, an den Deutschkursstufen B2 und C1 teil. Ich bereitete mich intensiv auf die TestDaF-Prüfung vor und im Juli 2015 bestand ich diese erfolgreich. Das Programm der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule ist wirklich hilfreich und die Beratung durch Frau Schaefer-Vischer in Stuttgart war mir eine große Hilfe beim Zurechtkommen in Deutschland. Ich erhielt in der Beratungsstelle dann auch nach dem Sprachkurs Tipps für die bundesweiten Bewerbungen für mein Medizinstudium und auch Hilfe für die wesentlichen Formulierungen im Lebenslauf und für die Motivationsschreiben.
Ich habe mich damals zum Sommersemester 2016 an fünf Universitäten zum Humanmedizinstudium beworben und keine Zulassung bekommen. Marburg war zu dieser Zeit die einzige Uni, die mir eine Zulassung gegeben hat und das war auch die einzige Bewerbung von mir zum Zahnmedizinstudium. Das Zahnmedizinstudium war meine zweite Wahl, also gewissermaßen ein Plan B.
Vor der Bewerbung und durch mein während der Wartezeiten abgeleistetes Freiwilliges Soziales Jahr in einem Krankenhaus in Heilbronn und nach einigen Gesprächen mit den Ärzten auf unserer Station, habe ich erfahren und mit bloßem Auge gesehen, wie anstrengend es ist, in Schichten als Assistenzarzt und mit so vielen Patienten zu arbeiten und wie groß die Verantwortung ist. Als Zahnarzt hat man eher keine Nachtschicht oder Notfälle wie bei dem Arzt im Krankenhausund somit kann ich nach dem Studium als Zahnarzt ein normales Leben führen, was für meine zukünftigen Kinder und Frau wichtig wäre.
Andererseits finde ich Zahnmedizin geeignet für mich, da es bei der Zahnpräparation und bei Zahnfüllungen um Geschicklichkeit und Handarbeit geht, was mir sehr liegt.
Zuletzt wollte ich auch sagen, dass es bei mir drei Jahre und acht Monate gedauert hat, bis ich wieder - nach langer Zeit - in Deutschland studieren konnte. Das war mein glücklichster Tag. Ich wollte gleich mit meinem neuen Studium anfangen und mich nicht mehr weiter bewerben und weiter warten (auch wegen der ganzen Bürokratie bezüglich des Bewerbungsverfahren).
Es war nicht einfach für mich, vier Monate in Griechenland und danach drei Jahre und vier Monate in Deutschland als Flüchtling um mein Leben und mein Studium zu kämpfen, aber trotzdem war es eine gute Erfahrung für mein weiteres Leben hier in Deutschland.
Für die finanzielle Unterstützung bei der Vorbereitung auf den TestDaF und für die Erstattung der hohen Fahrtkosten während des Sprachkurses, der Bewerbungs- und Beglaubigungskosten und Uni-Assist-Kosten kann ich mich an dieser Stelle nochmals sehr bedanken bei diesem Bundesprogramm Garantiefonds Hochschule. Ich besuchte auch ein gutes Seminar zur Vorbereitung auf mein Studium und konnte mich mit anderen Stipendiaten eine ganze Woche zusätzlich vorbereiten.
Heute kann ich mit Stolz sagen, dass ich die Sprache gut beherrsche und endlich meinen Weg gefunden habe. Mittlerweile studiere ich Zahnmedizin im vierten Semester an der Philipps Universität Marburg und habe mich hier gut eingelebt. Besonders interessant für mich ist es, dass ich dank Deutschland und des Förderprogramms ein normales Leben als Student und Mensch führen kann, so wie es bei jedem Menschen sein sollte. Ich erlebe den Stress der Prüfungsphase und die schönen und schwierigen Momente des Studentenlebens nachdem ich das für lange Zeit, als ich noch anonym im Asylheim war, vermisst habe.
Alleine und ohne die Förderung dieses Bundesprogramms und der tollen Hilfe und netten Persönlichkeit von Frau Schaefer-Vischer wäre das alles kaum möglich gewesen.