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01. Mai 2025

Drei Fragen an Carmen Höfflin

3 Fragen an Carmen Höfflin, ehemalige Bundesligaspielerin beim SC Freiburg und SC Sand, Expertin und Co-Kommentatorin beim Streamingdienst DAZN und Mitinitiatorin im Projekt OneVoice der Initiative Kultur.Konvoi.

„Veränderung beginnt, wenn wir handeln“

Sie sind Mitinitiatorin des Projekts OneVoice, hinter dem die Initiative Kultur.Konvoi steht. Während der Kultur.Konvoi mit humanitärer Hilfe und Transportmitteln in Krisengebieten wirkt, setzt das OneVoice Projekt auf die verbindende Kraft der Musik als Zeichen der Solidarität für die ukrainische Bevölkerung. Was hat Sie dazu bewegt, sich in diesem Projekt zu engagieren?

Ich verfolge den Kultur.Konvoi schon lange und bin beeindruckt, mit welcher Hingabe hier humanitäre Hilfe geleistet wird. Der unermüdliche Einsatz, das kontinuierliche Engagement – auch dann, wenn der Ukraine-Krieg in der Öffentlichkeit zeitweise als „Normalität“ wahrgenommen wurde – hat mich inspiriert, dass ich mit meinen Möglichkeiten aktiv helfen möchte. Bei einem Austausch mit Rüdiger Linhof, Hauptinitiator des Kultur.Konvoi (Bassist Sportfreunde Stiller), entstand die Idee, die Magie der Musik und die Kraft des Sports zu vereinen. Wir möchten die Strahlkraft und Reichweite nutzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. So entstand OneVoice. Musik und Sport verbinden: Sie berühren, geben Halt, Hoffnung und lassen Verbundenheit spürbar werden – über Grenzen hinweg. OneVoice ist eine Botschaft – sie vermittelt Werte, Wertschätzung, Solidarität, Hoffnung und Zusammenhalt; und zeigt den Menschen in der Ukraine: Wir haben euch nicht vergessen und wir stehen an eurer Seite.

Ich möchte mein Netzwerk und meine Erfahrung einsetzen, um den Sport als verbindendes Element zu nutzen und wichtige Botschaften in die Welt zu tragen. Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, nicht nur zuzusehen, sondern etwas zu tun. Nicht wegschauen. Nicht abstumpfen. Nicht sagen: „Irgendwer wird sich schon irgendwann kümmern.“ Wir alle haben eine Verantwortung. 

Mit OneVoice bekommt jeder die Möglichkeit, ein Teil davon zu sein. Jede Stimme zählt. Jede Geste macht einen Unterschied. Veränderung beginnt, wenn wir handeln. 

…und wenn auch nur ein einziger Mensch in der Ukraine durch dieses Projekt für einen Moment Kraft schöpft, dann hat es sich schon gelohnt.

Im vergangenen Jahr reisten Sie persönlich nach Lviv, um dort Spenden zu überbringen. Welche Eindrücke und Erfahrungen haben Sie von Ihrem Aufenthalt in der Ukraine mitgenommen? Wie gehen die Menschen vor Ort mit der nach wie vor schwierigen Lage um?

Meine Reise nach Lviv war eine sehr bewegende und intensive Erfahrung. Ich war kurz nach Weihnachten dort, eine Zeit, die für viele mit Familie, Wärme und Geborgenheit verbunden ist. Dieser Kontrast machte die Realität vor Ort umso eindrücklicher. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt fast geschäftig, doch der Krieg ist allgegenwärtig: Luftalarme, beschädigte Gebäude, Sicherheitsvorkehrungen (wie z.B. Sandsäcke an den Fensterscheiben von Gebäuden), Geflüchtete aus anderen Regionen des Landes…Spuren der Zerstörung und des Leids. 

Und doch war es nicht die Zerstörung, die mich am meisten bewegte, sondern die unglaubliche Widerstandskraft der Menschen. Sie kämpfen tagtäglich darum, ein Stück Normalität zu bewahren, helfen einander, organisieren sich und verlieren dabei nicht ihren Mut. 

Besonders tief berührt hat mich der Besuch im Kinderhospital. Dort werden u.a. Kinder betreut, die durch den Krieg zu Waisen geworden sind, psychische/körperliche Verletzungen erlitten haben. Bei den Erinnerungen bekomme ich gerade wieder nasse Augen. Mit dem Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags und der Organisation Athletes for Ukraine haben wir gespendete Hilfsgüter und Weihnachtsgeschenke überbracht. Kleine Gesten, die für einen kurzen Moment Licht in den schweren Alltag und in die Kinderaugen gebracht haben. Die Art, wie diese Kinder trotz allem Hoffnung und Kraft aus solchen Augenblicken schöpfen, sowie die tiefe Dankbarkeit, war überwältigend. 

Unvergesslich bleiben mir auch die Gespräche mit den Menschen vor Ort. Ihre persönlichen Geschichten, die Verluste, die sie erlitten haben…das geht unter die Haut. Es ist etwas völlig anderes, über den Krieg in den Nachrichten zu sehen oder zu lesen, als direkt mit Betroffenen zu sprechen. Zu hören und zu spüren, wie dieser Krieg ihr Leben unwiderruflich verändert hat, ist eine Erfahrung, die sich nicht in Worte fassen lässt. 

Der wohl erschütterndste Moment war der Besuch eines Kriegsfriedhofs. Wir standen vor unzähligen frischen Gräbern und wussten gleichzeitig, dass dies nur ein Bruchteil der Gefallenen ist. Eine beklemmende, fast surreale Realität. In solchen Momenten wird einem schmerzhaft bewusst, welche Tragik dieser Krieg mit sich bringt: nicht nur die Zerstörung von Städten, sondern vor allem welche Narben in den Herzen und Seelen der Menschen zurückbleiben.

Während es zu Beginn des Angriffskrieges viel Solidarität für Geflüchtete aus der Ukraine gab, scheint sich die Stimmung in Teilen der Gesellschaft verändert zu haben. In den letzten Monaten wurde immer wieder Kritik laut, dass ukrainische Kriegsflüchtlinge in Deutschland u. a. direkt Anspruch auf Bürgergeld haben. Vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen im OneVoice Projekt, wie schauen Sie auf diese Diskurse und was würden Sie sich für ukrainische Menschen in Deutschland von der Politik wünschen?

Mit unserem Projekt OneVoice wollen wir auch die Politik stärken; wir möchten in den Vordergrund rücken, worauf es wirklich ankommt: den Menschen!

Jeder, der vor einem Krieg flieht, hat ein tragisches Schicksal erlitten. Ein Zuhause, eine Heimat, vielleicht sogar geliebte Menschen verloren. Ganz ehrlich: Wollen wir wirklich drüber diskutieren, ob diese Menschen ein Dach über dem Kopf und Sicherheit verdienen?

Jeder sollte sich mal fragen, wie es wäre, wenn man selbst eine solche Situation durchmachen müsste. Ein Perspektivenwechsel kann Augen öffnen, anstatt weiter Mauern zu bauen.

Natürlich darf und sollte über politische Maßnahmen gesprochen werden, aber bitte mit Herz und Verstand! Wer ohnehin schon alles hinter sich lassen musste und mit völlig anderen Herausforderungen kämpft, sollte nicht auch noch gegen vermeidbare Hürden anrennen müssen.

Ich würde mir für die Betroffenen weniger Bürokratie und mehr echte Chancen wünschen. Sei es beim Zugang zu Arbeit, Bildung oder der Integration in die Gesellschaft.

Und was viele oft übersehen: Solidarität mit der Ukraine heißt nicht „nur“, einem angegriffenen Land zu helfen – es bedeutet auch, unsere eigene Freiheit, Sicherheit und Zukunft zu schützen. Das ist kein Privileg, sondern ein grundlegender Wert, der uns als Gesellschaft ausmacht. Deshalb geht dieser Appell nicht nur an die Politik, sondern an uns alle.

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