20. Oktober 2025
Drei Fragen an Dr. Bernd Fabritius
Im Interview spricht Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, über seine persönlichen Erfahrungen als (Spät-)Aussiedler, aktuelle Herausforderungen und warum gezielte Förderung – wie durch den Garantiefonds Hochschule – für junge Zugewanderte so wichtig ist.
„Herkunft darf nicht zum Hindernis werden und Chancengleichheit muss gelebt werden.“
Herr Dr. Fabritius, Sie sind Rumäniendeutscher und 1984 nach Deutschland gekommen. Wie haben Ihre eigenen Erfahrungen als (Spät)-Aussiedler Ihre heutige Arbeit und Ihr Engagement geprägt?
Ich habe die ersten 18 Jahre meines Lebens als Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien gelebt. Diese Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gemacht habe, sind aus meiner Sicht eine gute Grundlage, um gerade für den Personenkreis der deutschen Minderheiten in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und in Mitte und Osteuropa Verantwortung zu tragen. In Deutschland habe ich als junger Aussiedler das Ankommen in der freien Welt sehr genossen und es als wohltuend empfunden, plötzlich nicht mehr Teil der Minderheit, sondern mit der eigenen Muttersprache und der eigenen kulturellen Selbstverortung als Teil der Mehrheitsgesellschaft leben zu können. Die Leistungen, die mir damals als Neuankömmling in Deutschland den Start in einer doch fremden Welt erheblich erleichtert haben, fand ich damals sehr wichtig und schätze deren Bedeutung auch heute gleich hoch ein.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler in Deutschland – besonders in Bezug auf Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit?
Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sind ein fester Teil unserer Gesellschaft. Dennoch gibt es auch Herausforderungen in unterschiedlichen Bereichen - sei es Sprache, Bildung oder Teilhabe. Viele aus der älteren Generation tun sich noch schwer mit komplexeren sprachlichen Anforderungen, während die Neuzugewanderten von Anfang an gezielte Sprachförderung erhalten, um schnell im Alltag und im Beruf anzukommen. Zusätzlich wirkt sich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf diese Gruppe aus: Manche Spätaussiedlerinnen oder Spätaussiedler sehen sich Vorurteilen ausgesetzt, obwohl sie selbst oft eine klare Bindung an Deutschland haben und sich von der russischen Politik distanzieren. Das kann das gesellschaftliche Klima belasten. Auch die Frage nach Identität, Zugehörigkeit und Loyalität ist dadurch stärker in den Vordergrund gerückt. Daher ist es so wichtig, in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens Kontakte und Austausch zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Das schafft Begegnung, um Integration gemeinsam erfolgreich zu gestalten. Gegenseitige Offenheit und Austausch sind die Grundlage für Vertrauen und gelingendes Zusammenleben. Herkunft darf nicht zum Hindernis werden und Chancengleichheit muss gelebt werden.
Die Bundesprogramm Garantiefonds Hochschule unterstützt junge Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern auf dem Weg ins Studium in Deutschland. Warum ist aus Ihrer Sicht genau diese Förderung so wichtig – und was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die neu in Deutschland angekommen sind und hier studieren möchten?
Hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu integrieren, ist auch mir sehr wichtig. Junge Menschen, die in Deutschland studieren möchten, sollten dabei eine passgenaue Unterstützung erhalten. Genau hier setzt erfreulicherweise das Programm Garantiefonds Hochschule an. Denn wer in Deutschland studieren möchte, muss als erstes die deutsche Sprache auf hohem Niveau erlernen. Sie ist der Schlüssel für den Zugang zum Studium – und auch zur Gesellschaft.
