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20. Februar 2025

Drei Fragen an Prof. Dr. Axel Plünnecke (IW)

Prof. Dr. Axel Plünnecke, der Leiter des Clusters Bildung, Innovation, Migration des Instituts der deutschen Wirtschaft hat dem Garantiefonds Hochschule drei Fragen zur Bedeutung von Migration für den Wirtschaftsstandort Deutschland beantwortet.

3 Fragen an Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter des Clusters Bildung, Innovation, Migration des Instituts der deutschen Wirtschaft

In der aktuellen politischen Debatte um Migration wird diese häufig als Belastung dargestellt oder wahrgenommen. Dabei ist Deutschland als Zuwanderungsland auf Migration angewiesen, um in Zeiten globaler Krisen wirtschaftlich resilient zu bleiben. Nach Berechnungen Ihres Instituts, fehlen aktuell 123.000 Fachkräfte in akademischen MINT-Berufen. Welche politischen Rahmenbedingungen sind aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Zuwanderungspolitik notwendig?

Deutschland ist schon allein aus demografischen Gründen auf eine qualifizierte Zuwanderung angewiesen. Dazu bedeuten die Herausforderungen von Digitalisierung und Dekarbonisierung einen steigenden Bedarf an MINT-Akademikerinnen und Akademikern. Das gerade überarbeitete Fachkräfteeinwanderungsgesetz setzt sehr gute Regelungen für die Zuwanderung internationaler Studierender über die Hochschule, für Hochqualifizierte aus Drittstaaten und auch für Personen mit einer Berufsausbildung. Probleme bestehen vor allem bei den bürokratischen Verwaltungsprozessen (VISA etc.), die noch immer zu kompliziert und langsam sind. Auch gibt es - trotz weitgehend in Deutschland fehlender Studiengebühren – für viele Interessierte finanzielle und sprachliche Hürden, die einen Zugang zum Studium in Deutschland erschweren. Die Politik sollte Programme zur Begleitung der internationalen Studierenden ausweiten. Dies lohnt sich nach aktuellen Berechnungen des IWs langfristig sogar in hohem Maße für die öffentliche Hand.

Ratsuchende im Garantiefonds Hochschule streben zu über 50 Prozent ein Studium in den sogenannten MINT-Fächern an. Inwiefern trägt aus Ihrer Sicht Zuwanderung zur Innovationskraft und zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bei?

Die Zuwanderung der letzten zehn Jahre trägt zur Innovationskraft in Deutschland bei. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in akademischen MINTBerufen mit einer Staatsangehörigkeit aus einem Drittstaat ist von rund 30.000 Ende 2012 auf über 142.000 im Jahr 2024 gestiegen. Auswertungen der IW-Patentdatenbank zeigen, dass der Anteil der Erfindenden mit ausländischen Wurzeln bei Patentanmeldungen aus Deutschland in den letzten zehn Jahren stark gestiegen ist. Qualifizierte Zuwanderung bzw. die Qualifizierung von Zuwanderern stärkt Innovationskraft und Wachstum und wird vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahren noch wichtiger.

Nicht nur durch Zuwanderung, sondern auch durch die immer weiter voranschreitende Globalisierung, wird unsere Lebens- und Arbeitsrealität immer vielfältiger und diverser. Welche Rolle spielen kulturelle Diversität und internationale Netzwerke für die wirtschaftliche Entwicklung und den Standort Deutschland?

Aktuelle Befragungen sowohl des IW-Personal- als auch des IW-Zukunftspanels zeigen deutlich, dass internationale Netzwerke, Weltoffenheit am Standort und eine proeuropäische Haltung in der Gesellschaft aus Sicht der Unternehmen wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung am Standort Deutschland sind. Vor allem innovative und internationale Unternehmen haben zu hohen Anteilen die positive Bedeutung von Diversität und Weltoffenheit in dem eigenen Unternehmensleitbild verankert und setzen vielfältige personalpolitische Maßnahmen zur Integration von internationalen Fachkräften um.

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